Selbstverständnis
JagdGrün versteht sich als Vereinigung von Mitgliedern von Bündnis 90/Die Grünen sowie von Menschen, die sich mit den Grundsätzen der Partei verbunden fühlen und selbst Jägerinnen und Jäger sind oder dies werden möchten.
Wir wollen uns intern über aktuelle Themen rund um Jagd und Politik austauschen und unsere Haltung zur Jagd auch nach außen klar und ehrlich darstellen. Wir stehen grundsätzlich zur Jagd als Instrument des Naturschutzes, der Hege und des Managements von Wildbeständen, sofern sie im Einklang mit ökologischen Zielen steht.
Jagd ist für uns mehr als ein Instrument des Naturschutzes. Sie ist:
ein stark naturverbundener Lebensstil
eine Dienstleistung für die Gesellschaft (Mensch-Wildtier-Konflikte, Wildunfälle, Seuchenprävention, Förderung der Biodiversität)
aktiver Natur- und Artenschutz durch Erhaltung und Schaffung von Lebensräumen sowie Biotopverbünden
eine besonders intensive Form der Naturbegegnung
ein Wirtschaftsfaktor für den ländlichen Raum
nachhaltige Nutzung als hochwertiges Lebensmittel unter vollständiger Verwertung des Wildkörpers
Teil regionaler Identität
Unsere Überzeugungen
1. Nachhaltigkeit und Artenschutz
Wir sind uns bewusst, dass die Verbesserung und der Erhalt von Lebensräumen neben der Schaffung von Wildnisgebieten auch durch eine nachhaltige Gestaltung unserer Kulturlandschaften erreicht werden können.
Wir sind überzeugt, dass eine nachhaltige Jagd dazu beitragen kann, Wildbestände zu regulieren, Kulturflüchter zu schützen und die Resilienz lokaler Ökosysteme zu stärken. Durch gezielte Bejagung können Schäden in Wald und Feld sowie an weiteren Lebensräumen reduziert werden. So leistet Jagd einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität.
2. Tier- und Naturschutz mit Verantwortung
Als Jägerinnen und Jäger legen wir großen Wert auf einen respektvollen Umgang mit Wildtieren. Wir setzen uns für eine ethische Jagd ein, die Weidgerechtigkeit zeitgemäß interpretiert und Wild als Mitgeschöpfe achtet.
Jagd ist für uns Bestandteil eines ganzheitlichen Naturschutzkonzepts, das auch die Herausforderungen des Klimawandels und der Biodiversitätskrise berücksichtigt. Wir arbeiten eng mit Waldbesitzenden, der Forstwirtschaft und Naturschutzorganisationen zusammen, um gemeinsam nachhaltige und tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Wir stehen für eine Jagd, die moderne und tierschutzgerechte Methoden nutzt. Der Einsatz bleifreier Munition ist für uns selbstverständlich.
3. Wald, Landwirtschaft und Wildtiere
Jagd bedeutet für uns Dialog und Zusammenarbeit. Sie ist integraler Bestandteil sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Beziehungen im ländlichen Raum.
Um Waldökosysteme langfristig zu erhalten, müssen sie klimaresilient umgebaut werden. Jagd unterstützt diesen Umbau, schützt den Wald, ermöglicht seine nachhaltige Nutzung und trägt gleichzeitig zu einem gesunden, an den Lebensraum angepassten Wildbestand bei.
Wir setzen uns für eine enge Zusammenarbeit mit Landwirtschaft und Bevölkerung ein, um Wildschäden zu reduzieren und gleichzeitig wertvolle Lebensräume für Wildtiere zu erhalten. Agrarumweltmaßnahmen und nachhaltige Landnutzung sind dabei wesentliche Bausteine.
4. Digitalisierung und Transparenz
Wir befürworten den Einsatz moderner digitaler Werkzeuge in der Jagdverwaltung. Digitale Streckenmeldungen, Wildtiermonitoring und offene Daten schaffen Transparenz, erhöhen die gesellschaftliche Akzeptanz und verbessern die Qualität des Wildtiermanagements. Eine nachvollziehbare Jagdpraxis ist für uns der Schlüssel zu mehr Vertrauen.
5. Kooperation mit Wissenschaft und Naturschutz
Wir möchten die Rolle der Jagd als Partnerin von Wissenschaft und Naturschutz stärken. Monitoringprogramme, gemeinsame Projekte mit Universitäten und Naturschutzorganisationen sowie die aktive Beteiligung an Biodiversitätsstrategien sehen wir als wichtigen Beitrag für eine zukunftsfähige Jagd.
6. Tierschutzgerechte Jagdmethoden
Wir stehen für den verantwortungsvollen Einsatz technischer Hilfsmittel, wenn diese dazu beitragen, die Jagd effizienter, tierschutzgerechter und nachhaltiger zu gestalten.
7. Bildung und gesellschaftlicher Dialog
Wir verstehen es als unsere Aufgabe, den gesellschaftlichen Dialog aktiv zu suchen. Umweltbildung, Aufklärung über die Rolle der Jagd im Naturschutz sowie der respektvolle Austausch mit Nichtjägerinnen und Nichtjägern fördern Verständnis und Akzeptanz.
Kritik und Anregungen aus der nicht jagenden Bevölkerung begegnen wir offen und respektvoll. Unser Ziel ist es, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.
8. Ausbildung und Standards
Jagd braucht Wissen und Kompetenz. Wir treten für eine moderne, wissenschaftlich fundierte Jagdausbildung ein, die Ethik, Ökologie und Biodiversität in den Mittelpunkt stellt.
Die Ausbildung muss der Verantwortung der Jagd in vollem Umfang gerecht werden.
Eine praxisorientierte Ausbildung unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten ist für uns unverzichtbar.
Kontinuierliche Fort- und Weiterbildung verstehen wir als festen Bestandteil jagdlicher Standards und als Voraussetzung für eine zukunftsfähige Jagd.
Unse
re Forderungen
Die Jagd soll stets im Einklang mit den Zielen des Natur- und Artenschutzes stehen.
Es braucht klare gesetzliche Rahmenbedingungen, die eine nachhaltige, sichere und ethisch verantwortungsvolle Jagdpraxis gewährleisten.
Die Akzeptanz der Jagd in der Gesellschaft kann nur durch Transparenz, Bildung und Dialog gestärkt werden. Jägerinnen und Jäger sollen stärker in den Naturschutz eingebunden werden und ihre Expertise aktiv einbringen können.
Wir setzen uns auf Bundes- und Landesebene für einen jährlichen, qualifizierten und verpflichtenden Schießnachweis für Schrot und Kugel ein. Gleichzeitig müssen ausreichende, ortsnahe und praktikable Trainingsmöglichkeiten geschaffen werden.
Wir setzen uns für einen verantwortungsvollen und differenzierten Umgang mit allen wildlebenden Arten ein. Heimische und nichtheimische Arten sowie Arten mit besonderem Schutzstatus sind gleichermaßen zu berücksichtigen. Jagd ist dabei ein wichtiges Instrument, um Wildbestände fachlich fundiert zu begleiten, ökologische Schäden zu begrenzen und das Gleichgewicht der Ökosysteme zu erhalten. Grundlage hierfür sind klare, sachgerechte und rechtssichere Regelungen, die Natur-, Arten- und Tierschutz sowie die berechtigten Interessen des ländlichen Raums gleichermaßen berücksichtigen.
Stand: 04.07.2026